Auf dem Weg zur Biennale Venedig 2026

Klassischerweise machen wir einen Stopp in Salzburg, weil die Strecke von Braunschweig doch sonst arg lang ist. Und wir werden wieder den Wetterbericht mit viel Sonne und angenehmen Temperaturen verwöhnt. Wir wohnen heuer auf dem Mönchsberg, so dass es gleich nach dem Frühstück zum Museum der Moderne ging. Und der Besuch lohnt sich weil es einen Künstler und eine Designerin zu entdecken galt und einen alten Bekannten trafen wir auch wieder.

Genau um diesen alten Bekannten geht es, Georg Baselitz der ja erst kürzlich verstorben ist. Hier werden seine letzten Bilder gezeigt, zur Eröffnung im April dieses Jahres war er selbst anwesend. Gezeigt werden unter dem Titel „Baselitz jetzt“ großformatige Arbeiten aus den letzten zehn Jahren. Mir sind besonders die collagierten Arbeiten aufgefallen, wo er wie auf dem Beispiel Nylonstrümpfe den Körpern appliziert.

Mich hat aber vielmehr die Retrospektive von Stano Filko unter dem Titel „Stano Filko. 12 Chakras of Becoming“ fasziniert. Ein Künstler der mitteleuropäischen Neo-Avantgarde, dem hier eine beeindruckende Überblicksausstellung der Arbeiten von 1960 bis 2015 gewidmet wird.

Ein Bett, Ort der Liebe und hier ganz durchgestaltet und auch wenn mich jedes Bett in einer Ausstellung unweigerlich an Tracey Emin erinnert, die ja gerade eine große Ausstellung in der Tate Modern hat. Auch wenn ich mit dem spirituellen Überbau „Chakren“ nicht viel anfangen kann, so hatte diese Ausstellung gerade in ihren Details und Verweisen in den frühen Arbeiten für mich etwas Faszinierendes. 1982 war Stano Filko auf Betreiben von Joseph Beuys Teilnehmer der Documenta. Dazu hier noch zwei kleine Details.

Hier die Installationsansicht auf der Documenta 1982

Wobei ich ehrlicherweise gestehen muss, mich nicht mehr dran erinnert zu haben, nur Beuys „7000 Eichen“ habe ich noch genau vor Augen, dieser Haufen von Basaltstelen die vor dem Fridericianum aufgetürmt waren und jeder Besuch in Kassel erinnert wieder an diese wunderbare Arbeit der Stadtverwaldung, wenn der Blick auf eine inzwischen stolze Eiche mt nebenstehender Basaltstele trifft.

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Ankündigung der nächsten Lesungen

Nähere Informationen folgen…

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27.2.2026 Mein erster Roman ist erschienen

und jetzt auch im VLB verzeichnet:
https://buchhandel.de/buch/Kafka-faehrt-an-die-Nordsee-9783695177486

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Die Bücher sind angekommen…

Der Postbote musste ganz schön schleppen

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2.3.2026 Lesung und Release Party

Einladung zur Lesung am 2.3. um 18 Uhr im Cafe Krokus, Parkstr., Braunschweig

Vor 125 Jahren reist ein junger Mann nach dem Abitur allein von Prag an die deutsche Nordseeküste – nach Helgoland und Norderney. Er wird K. genannt. Nach einigen Tagen stößt sein Onkel zu ihm, und gemeinsam verbringen sie mehrere Wochen auf den Inseln.
K. wandert, schwimmt, reitet, liegt in der Sonne, liest, flirtet, verliebt sich. Tagsüber schreibt er Briefe und Postkarten, nachts hält er seine Erlebnisse und Reflexionen in einem schwarzen Notizheft fest.
Viele Jahre später folgt der Autor seinen Spuren: Er fährt mit der Eisenbahn die gleichen Strecken, besucht die gleichen Inseln – und stößt auf Norderney beim Stadtarchivar auf eine Räuberpistole in der wiederum ein schwarzes Notizheft eine entscheidende Rolle spielt.
Ein Roman über Reisen, Erinnerung und die leise Annäherung an Franz Kafka.

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Buchrelease am 2.3.2026

Mathias Luhmann
Kafka fährt an die Nordsee
Eine Reise von Prag nach Helgoland und Norderney im Jahr 1901
Roman

Am 2.3.2026 erscheint mein erster Roman. Anlässlich des Erscheinens findet am 2.3.2026 im Café Krokus in der Parkstr. 7a in Braunschweig ab 18 Uhr eine Release-Party statt.

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Kunstbetrachtung unter widrigen Umständen

Es gibt von F.C. Delius das Buch „Der Held und sein Wetter“, sein Dissertation in welcher er die Funktion des Wetters im poetischen Realismus untersucht. In der Zuspitzung dramatischer Situationen voller Tragik braucht es immer Regen und die Hollywoodfilme haben dieses Stilmittel aufgegriffen.
Wie wirkt es sich auf die Kunstbetrachtung aus, wenn man vom Regen getrieben auf der Biennale von Pavillon zu Pavillon läuft, die Außentemperatur auf 8°C gesunken ist und durch die Gebäude der Wind pfeift. Und das Glück, wenn man einen geheizten Ausstellungsraum betritt, sofort gefallen mir die Bilder und ich verweile, genauer betrachtend und mich aufwärmend. So geschehen beim Äthiopischen Pavillon im Palazzo Bollani. Dort werden Arbeiten von Tesfaye Urgessa gezeigt, die mich ob der Umstände ihrer Betrachtung und der Qualität der Malerei überzeugt haben.

Tesfaye Urgessa wurde 1983 in Adddis Abeba geboren, studierte zunächst an der Kunsthochschule in Addis Abeba bei Tadesse Mesfin und danach in Stuttgart an der Staatlichen Akademie der Künste bei Cordula Güdemann. Das Bilder zeigen die Einflüsse äthiopischer Ikonographie und neoexpressionistischer Malweise. Dargestellte Personen blicken den Betrachter meist frontal an, ziehen ihn so in das Bild. Die Raumperspektive wird aufgebrochen, häusliche Szenen, ein Tisch, eine schreibende Figur, ein Kind wird präsentiert, Körper sind verschlungen, auffallend oft sind nackte Füße und auch Beine zu sehen, das ganze in gebrochenen Farben mit einigen auffälligen Farbakzenten. Was deutlich zu sehen ist, Urgessa überarbeitet seine Bilder immer wieder, die verschiedenen Farbschichten sind gut zu erkennen, mal sind es Details, mal ganze Flächen, die neu bearbeitet wurden. Es lohnt sich immer wieder Details in Blick zu nehmen, sie geben manchmal direkt den Hinweis zur Interpretation der Arbeiten, die schreibende Hand im mittleren Bild wird so zum Movens der gesamten Bilderzählung, um nur ein Beispiel zu geben.

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Vom Regen in die Wolfsstunde

Vertraut mit dem Phänomen der Wolfsstunde als jemand der gerne mal zwischen 3 und 4 Uhr in der früh aufwacht und nur schwer in den Schlaf findet, war ich auf die Arbeit von Edith Karlson im Estnischen Pavillon gespannt, „Hora Lupi“ in der Chiesa di Santa Maria delle Penitenti am nördlichen Ende von Cannaregio gelegen, neugierig. Die Fahrt vom Lido zur Station Tre Archi begann dramatisch, ein tiefschwarze Wolken zogen vom Festland heran, auf der Höhe von San Michele erleuchteten Blitze den Himmel und ein stürmischer Wind ließ das Vaporetto in schaumbekrönten Wellen arg schaukeln. Dann die wenigen Meter vom Anleger in die Kirche.

Aus dem Regen ins Halbdunkel der Kirche gelangt, stoße ich auf drei Riesen, die nicht nur eine Schlange oder ein Meeresungeheuer erschlagen wollen, sondern auch mich fast in den Kanal zu werfen drohen. Ich schaue mich um, zuerst fallen zahlreiche Kraniche ins Auge, die auf dem Boden stehen, auf Simsen hocken, der Kranich als Symbol schlafloser Wachsamkeit und auf dem Altar zu Füßen des gekreuzigten Jesus winden sich die Schlangen.

Das ganze findet in der verfallenen Kirche seinen Platz, Installation der Künstlerin und der verfallene Ort mit herabgefallenem Putz und einem Loch im Boden, in dem das Wasser des Kanals schmatzt. Und draußen regnet es immer heftiger, das Auge hat sich an das Dunkel angepasst und findet immer neue Details, seien es kleine Nester mit zerbrochenen Schalen von Vogeleiern, in einer Abseite hängt eine Schlangenhaut, in der Sakristei deren ehemalige Holzverkleidung sich achtlos an einer Wand aufgehäuft findet, stehen drei traurige weibliche Gestalten vor einem Schrank, der einst vielleicht Hostien und Messwein beherbergte und nun bizarre Schädelfragmente aus Keramik zeigt.

Nebenan eine kleiner schmaler Raum mit einem winzigen Bett an dessen Fußende ein Körbchen mit einem Hund aus Keramik, das Bett verlassen vom Schlaflosen und dann trifft dieser im nächsten Raum auf eine zweiköpfige Tiergestalt mit leuchtenden Augen.

Ich wandere weiter und wäre es nicht in diesem Kontext, so würde ich an Kitsch denken, drei Meerjungfrauen mit Echsenköpfen räkeln sich nahe des Lochs im Boden, in den Ecken des Raums getrockneter Seetang, als ob die Damen durch das Loch aus dem Kanal hereingespült worden wären.

Draußen regnet es noch immer, so mache ich eine weitere Runde durch die Räume der Kirche. Da ist noch ein Raum, fast dunkel und nur von wenigen Kerzen erleuchtet. Er ist über und über mit aus Lehm geformten Gesichtern bedeckt, die sich kaum erkennen lassen, auf Nachfrage erfahre ich, dass diese von der Künstlerin mit Besuchern in ihrem Atelier aus Ton geformt wurden, Selbstporträts der besonderen Art. Dieser dunkleste Raum ist gleichsam aber auch der wärmste und zuversichtlichste, ich zeige, wie ich mich sehe und versuche dies in eine Form umzusetzen. Und diese vielen unterschiedlichen Formen unterschiedlicher Gesichter bilden eine gmeinsame Form, werden sozusagen eins ohne ihre Individualität zu verlieren.

Während ich nun schon mit gewisser Ungeduld die Kraniche beobachte, nehme ich den Geruch von Weihrauch wahr, ich kann nicht sagen ob mir die Phantasie einen Streich spielt oder nicht.

Als ein Sonnenstrahl durch die geöffnete Tür hereindringt, verlasse ich die Kirche, das helle Licht vertreibt die Dämonen des Orts und über einige Pfützen springend verlasse ich rasch Cannaregio und es geht weiter zu Rialto, zum Pavillon von Osttimor. Darüber bald mehr.

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Staub zu Staub

Bulgarischer Pavillon im Spazio Ravà – Michail Michailov – There You Are

Nachdem beim ersten Besuch im April der bulgarische Pavillon zur Mittagsstunde geschlossen war, galt es sich erneut durch die Massen bei der Rialtobrücke zur Spazio Ravà durchzukämpfen. Und es hat sich durchaus gelohnt. Zu entdecken gab es ein Installation von Michail Michailov, die ausgehend von den Räumen und ihrem Interieur diese sozusagen spiegelte und transformierte und so eine raumfüllende Bühne für den Staub schaffte („Dust to Dust“), für den gleiche neben dem Eingang Besen und Bürsten bereitstanden. Der Staub entpuppte sich bei näherer Betrachtung als feinste Zeichnung dessselben.

Auf dem obigen Bild steckt der Künstler seinen Kopf von draußen nach drinnen, auf dem unteren wartet die Öffnung auf meinen Kopf.

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Nacht und Schimmel

Es ist Dunkel und es riecht nach Erde, Feuchtigkeit, Verwesung, Schimmel. Und es ist grün verwachsen, überwuchert, als ob Rankpflanzen einen greifen wollen. Im April war der Raum im Arsenale noch recht unbewachsen, vereinzelte Pflanzen von denen man denken musste, dass sie zum Ende der Biennale verdorrt auf dem Boden liegen würden. Erdskulpturen die sich in Staub auflösen würden.

Precious Okoyomon – To See the Earth before the End of the World

Doch Ende Oktober wuchern Ranken, die Erde und die Figuren aus Wolle und Erde sind verschwunden. Die Natur erobert sich den Raum, die Wege durch diesen sind fast zugewachsen.

Ein Kunstgarten, der zu Beginn noch von Schmetterlingen bevölkert war, überwuchert mit einer Pflanze, die als invasive Art gilt. Symbol einer Natur, die sich nicht beherrschen lässt und die jeden Eingriff ins Ökosystem zu strafen scheint. Für Okoyomon ist Natur untrennbar mit den historischen Spuren von Kolonisation und Versklavung verbunden. Die Rankpflanze „Kudzu“, die aus Ostasien nach Nordamerika eingeschleppt wurde um die Bodenerosion durch den Baumwollanbau zu begrenzen, ließ sich in diesem Sinne nicht beherrschen und verbreitete invasiv.

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