Helmut Kajzar: Manifest des meta-täglichen Theaters

Das meta-tägliche Theater setzt die drei Regeln des klassischen Dramas außer
Kraft und erklärt sie für ungültig:
die Einheit der Zeit, des Ortes und der Handlung.
Alle drei gleichzeitig.
Im meta-täglichen Theater gewinnt das „Theater“ seinen rituellen Sinn zurück.
Es gewinnt
Würde
Anmut
Endgültigkeit
und Schlichtheit
die Einfachheit – des Milchkochens –
des Türschließens und -öffnens
des zum Fensterhinausschauens.
Von nun an wird das „Theater“ zu einer Passage
wie die Treppe, der Korridor, wie die Erde selbst.
Es ist gewöhnlich.
Sogar im Unwahrscheinlichen.
Es gewinnt Gegenwart,
Vergangenheit und Zukunft.
Indem es die drei Regeln außer Kraft setzt und die Einbildungskraft von ihrem
Zwang befreit, verwandelt es die Regeln in Instrumente der Einbildungskraft.
Das meta-tägliche Theater ist allgemeines und individuelles Theater.
Aufgrund der Einzigartigkeit
ermöglicht es den Kontakt
zwischen souveränen Individuen.

Deutsch von Peter Lachmann
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wie eine last

liegt auf meinen schultern
das alte sehnsuchtstier.

ich bin es
der den wind zähmen wollte
und ward geohrfeigt
bis die wangen rot waren.
ich war es
der in dein herz eingehen wollte
und es war eine tote frucht
aufgespießt von einem neuntöter.
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sorokin lesen – krapp’s last tape

die ganze nacht sorokin gelesen. brod und ljod. um sieben uhr abends begonnen und als es hell wurde die bücher zur seite gelesen, dann zwei stunden ruhelos geschlafen. unendlicher trash, der einen in seinen bann zieht.
gestern den ganzen tag alte tonbänder durchgehört, aufnahmen aus den jahren 1980 bis 2000. mitschnitte aus der uni, von der familiären sonntäglichen kaffeerunde noch mit der großmutter, die auch schon lange gestorben ist. wie krapp saß ich da und wühlte mich durch den staub der erinnerungen. ich hörte mich und dachte, ja ich bin heute noch genauso blöd wie damals. ein beruhigendes gefühl. ich erbleichte sozusagen keunermäßig.
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den ganzen tag

mit dias und alten briefen beschäftigt. müdigkeit und ein frieren in mir und außer mir. das verlangen jemanden zu lieben mit der herzenskraft der frühen jahre. dieses drängen in den briefen wiederfinden. dieses altmodische papiergeraschel und jeden tag den postboten erwarten und er bringt handgeschriebenes. spotte nur, aber die frühe dunkelheit befördert die leisen gefühle.
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ostia antica im märz 2007

ostia antica im märz 2007
amor und psyche
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monatelanges selbstbeschweigen

je mehr der mund so vor sich hinplappert, desto müder scheinen die finger zu sein. gebe ich der wange eine träne aus gähnen und berührung durch gedankenspiele. lange dein bild geschaut und dem wind, der durch das fenster frühfrühlingshaftes wehte, ein poem geflüstert, dirzu ostwärts gehts.
wenn es denn ankommt, dann schicke deinen briefvogel, ich werde den käfig öffnen, auf das er eine heimstatt findet, ich werde ihm körner geben und wasser und aus den fetzen meines pullovers ein nest.
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Elbe bei Glückstadt

null
Überquert. Wind und ein paar Sonnenstrahlen. Unter den Füßen die Vibration des Schiffsdiesels spüren. Wenn du jetzt den Arm um mich legen würdest, deine Augen in meinen Augen, dann wäre die Träne nicht ein Kind der Windsbraut.

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in der nacht noch über

die begegnung von celan und heidegger bei safranski gelesen. im mund bleibt das wort lichtzwang von celan, wie es laut safranski auf heidegger zielt. celan bringt sich 1970 um.

auf eines Denkenden
kommendes (un-
gesäumt kommendes)
Wort
im Herzen
….

über heidegger und celan
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Fundgrube

Ins Verstummen
schreiben.
Marginalisierung der Doppelobjekte.
Schnitte
in
die
Handinnenflächen,
entlang der Linie
des Lebens.Ich zeige dir meine Wunde.

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Neumünster, Süd

null

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